Liebe ohne Grenzen?
Was ist typisch Pop, typisch HipHop, typisch Indie?
01/02/10
Spotlight
01/02/10 by hbrWenn Indie-Jungs verliebt sind, reden sie selten Klartext. Wenn Metal-Männer über Liebe singen, lassen sie manchmal das Grunzen sein. Wenn Hip Hopper über Gefühle rappen, klingt das manchmal wie der Dialogfetzen aus einem Heimatfilm. Tja, Liebeslied ist eben nie gleich Liebeslied, vielmehr ist es das Genre, das die Marschrichtung vorgibt, also wer wie wen zu lieben hat. Aus diesem Grund blicken wir hier mal auf die genretypischen Liebesverrenkungen von Pop-Diven, wir destillieren die Liebe aus Porno-Rap und suchen nach dem Kuschelfaktor im Death Metal.
DIE INBRUNST DER POP-BALLADE
Niemand trällert schöner über Liebe wie Pop-Diven. Das denken zumindest unsere Mütter, wenn sie über die Emo-Balladen der Celine Dions dieser Welt stolpern. Und so unterschiedlich Whitney Houston, Toni Braxton und ähnliche Bügelmusikmacherinnen auch sein wollen, es eint sie doch vor allem eins, wenn sie das Arschloch namens Liebe besingen: Die ganz, ganz, ganz großen Gesten. Selbst wenn man die ausgebreiteten Arme, die Blicke gen Himmel, die zittrigen Leiber, die Haare im Wind und die Fast-Schon-Tränen im Gesicht nicht hört, spätestens im Videoclip zur Ballade bekommen wir das komplette Körpersprachen-Package optisch serviert.
Liefert Telenovela-Oscarverdächtiges ab: Toni Braxton
DER PORNO-KITSCH DES HIP-HOP
Wenn Rapper mit Liebe konfrontiert werden, passiert folgendes: 1. Der Hengst geht mit ihnen durch. Soll heißen: Die sowieso inflationär oft fallenden Wörter „bitch“ und „fuck“ kommen gleich doppelt so oft vor. Dann aber folgt direkt 2. Die Kitschsensibilität sinkt. Während also in der Strophe die brutale Möglichkeit der Besenkammer herbeiposaunt wird, kommt dann im Refrain das schwülstigste Sample aller Zeiten (schon mal „Lonely“ von Akon gehört? Hier geht´s zum Song). Oder aber ein R.-Kelly-Verschnitt jault schiefe Metaphern zusammen. Gut, Hop Hop und Liebeslied, das passt sehr, sehr selten gut zusammen. Vielleicht auch deswegen, weil es die Tradition noch nicht so lange gibt. Erst 1987 hatte LL Cool J mit „I Need Love“ als erster Rapper in den Charts Erfolg mit einer Art Hip-Hop-Ballade. Auch wenn sich die fucks und bitches hier in Grenzen halten, auf Macker macht LL Cool J (=Ladies Love Cool James) trotzdem.
Das Posing ab 4:00 hätte selbst der Wendler nicht besser hinbekommen können
DAS HANDBALL-FEELING DES ROCK
Liebe und Rock. Das ist ein Verhältnis wie Suff und Erbrechen. Unzählige Rockballaden wurden getextet und komponiert. Wahre Worte („Love Hurts“,Nazareth) wurden gefunden, Kalenderweisheiten niedergeschrieben („Every Rose Has Its Thorn“, Poison). Immer aber – und das ist der ganz typische Ansatz des Rock, wenn es um Liebe geht – steht das Klanggerüst dazu so ein bisschen nackt im Wind. Wo vorher Pyrotechnik zu den verzerrten Gitarren explodierte, flimmert jetzt ein bisschen das Feuerzeug zur Akustikgitarre. Von den reduzierten Unplugged-Klängen lässt sich allerdings nicht nur die Angebetete bezirzen, sondern gleich auch noch der Kegelclub oder die Handballmannschaft. Nach zehn Weizen intus bilden dann alle einen Kreis und äh ... „tanzen“.
Rock-Minimalismus von Extreme
DAS NICHT-SAGEN-KÖNNEN DER INDIE-MENSCHEN
Im Indie-Rock-Geschäft findet Liebe ja eigentlich nie statt. Liebe wird nämlich nie direkt angesprochen. Dafür werden viertausend Metaphern zusammengebaut, die immer irgendwie das Gefühl irgendwie ein bisschen irgendwie umschreiben. Anders gesagt: Nägel mit Köpfen werden hier nicht gemacht. Daher ist es manchmal recht schwer, herauszufinden, ob es in einem Indie-Rock-Song um Liebe geht oder doch nur um den Dackel des Nachbarn oder um sich auflösende Suppenwürfel. Warum singt Karen O. von den Yeah Yeah Yeahs so kryptisch von „Maps“, also Landkarten, wenn es doch eigentlich ein Liebeslied ist...
Sie liebt mehr als alle anderen: Karen O. von den Yeah Yeah Yeahs







