Get Well Soon
Vexations
2010, City Slang
Review
15/01/10 by bhlKonstantin Gropper, der begabte Kopf hinter Get Well Soon, stellt uns in diesem Januar sein zweites Album „Vexations“ vor. Das Cover der CD erinnert ein bisschen an Artwork von Nine Inch Nails oder Project Pitchfork. Es zeigt einen Mann, der sich gerade sein Knet-Gesicht zerpflückt. Kommt Get Well Soon nicht eher aus der Songschreiber- als der Dark-Wave-Ecke?
Doch. Schon nach den ersten Sekunden des Intros ist man sich sicher: Hier geht’s uns an die Seele. Man denkt bald unweigerlich an Rufus Wainwright. Entschuldigung. Schon ist der Vergleich angestellt. Wo wir doch unvoreingenommen an die Sache herangehen wollen. Deswegen noch mal zurück auf Anfang (obwohl es Schlimmeres gibt, als mit dem talentierten Mr. Wainwright verglichen zu werden).
Groppers erstes Album „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ wird 2008 von der Kritik gelobt. Schon alleine, weil er es in mühevoller Kleinarbeit über Jahre zuhause selbst eingespielt hat. Das kommt immer gut an. Auch auf seinem zweiten Werk spielt er so ziemlich alle Instrumente selbst. Mit dem Unterschied, dass er dieses Mal in einem Studio sitzt und nicht ganz so viel Zeit hat. 80 Prozent der Stücke seien in einem Zeitraum von zwei Wochen entstanden, lässt uns der Sänger via Pressetext zum neuen Album wissen.
Zum ersten Mal kann Konstantin Gropper seine Stücke mit einem richtigen Streichquartett und echten Bläsern einspielen. Was er auch tut. Und wie. Viele Stücke wirken opulent, fast monumental. Sie erinnern ein wenig an die Monumentalität von Queen-Songs, wenn auch in sehr viel engeren Singer-Songwriter-Grenzen.
Die Musik von Get Well Soon wirkt immer warm aber auch immer etwas düster (was zum Cover passt). Allerdings dürften die wenigsten Künstler dieser Kategorie die Welt durch eine rosa Brille sehen...
Womit wir beim Thema wären: Kategorie. Get Well Soon verlässt kaum die Schublade des Singer-Songwritertums (außer die Ausflüge in die Rockoper – siehe Queen). Das ist okay, denn innerhalb dieses Genres legt Konstantin Gropper ein respektables Werk vor. Und nicht alle Musiker müssen auf den Pfaden des Crossover wandeln wollen. Aber auf Dauer wird es etwas trocken.
„Vexation“ kommt extrem „engineered“ daher. Wenn man nicht wüsste, dass Instrumente im Spiel sind, man könnte fast von technisch sprechen. Das Album wirkt bis ins Letzte ausgeklügelt, wo doch gerade das an Songschreibern so charmant ist: das Unperfekte.
In seiner glatten Perfektion wirkt „Vexations“ daher leider etwas unmodern. Man wünscht sich etwas mehr Roughness und Spontaneität. Wenn die Themen schon nicht leicht sind („A Burial At Sea“), dann will man doch wenigstens das Gefühl haben, dass das Songschreiben leicht von der Hand ging (womit wir wieder bei Mr. Wainwright wären – ’Tschuldigung, Herr Gropper). Trotzdem: für Fans des Genres „Liedermacher“ eine lohnenswerte Anschaffung.









